
Interview mit Paolo Hendel(dem bekannten italienischen Komiker),
einer der prominenten Gäste des Aqua Bad Cortina.
1. Lieber Paolo, wie gefällt es Ihnen, von einem einfachen Bergbewohner beim Vornamen genannt zu werden?
Lieber Nicol, zunächst möchte ich Ihnen ein Kompliment für Ihr Hotel aussprechen und für die Sorgfalt, mit der Sie dieses Hotel führen, mit Respekt und Liebe für die Natur. Wenn alle einfachen "Bergländer" (oder "Küstenbewohner“ oder "Städter") so wären wir Sie, dann würden viele Sachen auf dieser Welt sehr viel besser funktionieren!
2. Sie und Ihre Frau haben die ersten Tage hier damit verbracht, in den Geschäften von St. Vigil das richtige Paar Bergschuhe zu finden. War es schwierig, eine so wichtige Wahl zu treffen?
Aber natürlich! Für einen Flachländer wie mich ist es nicht einfach zu verstehen, welches der richtige Schuh ist. Bequemes Schuhwerk ist gut und recht, aber wenn Sie auch mal über Geröll und steinige Strecken wandern wollen, dann braucht man schon einen etwas festeren und vielleicht auch höheren Schuh; aber zu hart darf er dann auch wieder nicht sein ... Das sind schon ganz wichtige Lebensfragen, die man sich hier stellen muss! Und dann steht man auch noch vor der schwierigen Entscheidung: "Gore-Tex oder nicht Gore-Tex" (ein hamletscher Zweifel!). Ich könnte stundenlang darüber reden, ohne eine Lösung für dieses Problem zu finden ... Aber in Wirklichkeit war die Suche nach dem "idealen Schuh" wohl eher ein Vorwand, um die Regentage zu überbrücken. Da konnten wir keine Ausflüge unternehmen, also sind meine Frau und ich shoppen gegangen; und wir haben das Spiel dann so lange weiter gespielt, bis die Sonne wieder zum Vorschein kam... Und ich muss sagen, das ist uns gelungen (oder zumindest fast).
3. Glauben Sie, dass sich Ihr Kindheitstraum, ein berühmter Bergsteiger zu werden, noch erfüllen wird?
Dem ist in der Tat so, als Kind wollte ich "Kuhtreiber" werden; vielleicht weil mich die Western Filme so beeindruckt haben, oder auch weil ich damals mit meinem Vater so viele schöne Ausflüge in die Dolomiten unternommen habe. Oder aber vielleicht, weil ich ganz einfach das Wort "Viehtreiber" mochte, auch wenn ich damals noch nicht genau wusste, was es bedeutete ...
4. Ein Urlaub in St. Vigil, zwischen eleganten Geschäfte und modernen Lokalen, kann doch dem Familienbudget ganz schön schaden. Aus welchem Grund haben Sie diese mutige Wahl getroffen?
Um die Wahrheit zu sagen – und Sie, die ja hier wohnen, wissen das nur zu gut – ist St. Vigil im Vergleich zu Corvara und St. Kassian um einiges "nüchterner" und weniger mondän und genau deshalb gefällt es mir hier besonders gut. Mir gefallen die einfache Schönheit und die intime Atmosphäre, die Ruhe, die Stille und der Klang des Wassers, das hier reichlich fließt und dich überall hin begleitet. Von meinem Zimmer hier im Aqua Bad Cortina aus, lausche ich dem Bach, der direkt unter meinem Balkon vorbei fließt und beobachte Berta, mit ihren langen Holzbeinen. Und genau dahinter liegen das Tal und die Berge unter niedrigen Wolken; am Ende glaube sogar ich noch an die Legenden des Königreichs Fanes, mit seinen Gebietern, den Murmeltieren, der Prinzessin Dolasilla und mit dem monströsen Spina de Mul ... Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass es in St. Vigil noch immer die echte ladinische Küche gibt, mit wahren Schätzen wie die Fana Ladina und Garsun. Einfach nur wundervoll!
5. Da Sie sich ja mittlerweile hier bei uns so gut auskennen, werden Sie nächstes Jahr die Führung auf den Ausflügen zur Quelle "Aqua Bad Cortina“ übernehmen?
Wenig Wissen, viel "Ignoranz". Dennoch, im Hinblick auf die Legenden und auf den „thematischen Wanderweg“ muss ich eine Bemerkung loswerden. An der Station Nr.5 (jede Station hat einen Text in drei Sprachen: Ladinisch, Deutsch und Italienisch) werden Ratschläge erteilt, wie man sich im Falle von Unwettern mit Blitz und Donner zu verhalten hat. In der italienischen Fassung heißt es da: "Verlassen Sie die die festen Wege“. Ich glaube, man will den Wanderern in diesem Hinweis zu Recht dazu raten, im Falle eines Unwetters die Klettersteige zu verlassen; wenn man diesen Hinweis aber wörtlich nimmt, dann besteht die Gefahr, dass die Wanderer alle Pfade verlassen und in den Wäldern oder, schlimmer noch , irgendwo zwischen den Felsen Unterschlupf suchen... Wer Ladinisch oder Deutsch spricht, der kann dieses Missverständnis ganz schnell aufklären, indem er die anderen Texte liest; wer aber, wie ich, nun grad mal nur ein bisschen Italienisch spricht, der verlässt beim ersten Donnerschlag fluchtartig den Wanderweg und verläuft sich im Unwetter auf Nimmerwiedersehen in den Bergen - Gore-Tex oder nicht Gore-Tex! Aber zum Glück würden dann hier in St. Vigil sofort hilfreiche Murmeltiere zur Hilfe eilen, die sich mit der Königin von Fanes verbündet haben, und das Problem lösen ...
Vielen herzlichen Dank für das Interview!
Nicol









